• Stefanie Ruprechter

Können Covidioten und Schlafschafe Freunde sein?

Aktualisiert: Feb 26

mein aktuelles Statement


Letztes Wochenende waren in Österreich Demonstrationen gegen die Corona Maßnahmen. In den Medien fand ich einige Schlagzeilen, in der die Demonstrationen als Coronaleugner- Demonstrationen bezeichnet wurden. Weiters werden die Teilnehmer, als Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Ich schaute mir jetzt jedoch die offizielle Seite der Organisation an und fand darin keinen Hinweis auf jegliche Beschreibung, dass der Virus Covid-19 nicht existiere oder auf rechtsradikales Gedankengut.


Es ist leider mit Sicherheit wahr, dass einige bekannte Rechtsradikale und Neonazis bei den Demonstrationen mitmarschierten. Hier komme ich aber zu meiner 1. Frage an euch: Was hat das mit dem Thema der Demo zu tun?


Man stelle sich doch bitte einmal vor: Du gehst auf eine Demo für (sagen wir) "Den sofortigen Stopp für Massentierhaltung" (Fände ich übrigens ein gutes und wichtiges Thema, für das man unbedingt demonstrieren sollte).

Wir stellen uns weiter vor: Bei der besagten Demo geht aber auch ein bekennender (sagen wir) Homophob mit. Wir beide sind aber gegen Massentierhaltung! Können wir jetzt gemeinsam demonstrieren für die Tiere oder nicht? Sollte ich dann sagen, dass ich nicht für die Tiere demonstrieren kann, weil da homophobe Typen mitmarschieren und sich das ja nicht mit meiner Überzeugung deckt. Ich bin ja liberal und jedem Mensch sollten die gleichen Rechte und gleich viel Würde zugestanden werden, egal welche Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder was auch immer. Kann ich jetzt nicht mit dem homophoben Menschen zusammen demonstrieren? Ich glaube schon!!!!! Denn bei der genannten Demonstration geht es ja nicht darum; es geht ja nur um die Tiere. Wie unsinnig wäre es, wenn dann auch noch die Medien kommen würden und sagen würden, dass die Tierschützer homophob sind! Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Bitte erklärt mir das! So in etwa läuft es nämlich nach meiner Wahrnehmung mit den Corona Demos ab. Obwohl sich die auf der Website sogar klar gegen rassistisches Gedankengut distanzieren.


Für meine Verständnis ist jeder Mensch für sich zu betrachten. Es gibt doch wahrscheinlich sicher homosexuelle Nazis (irgendwo) und homophobe Tierschützer. Jeder Mensch ist einzigartig- jeder Mensch ist anders. Sind wir denn nicht schon über dieses Schubladendenken darüber hinaus??


Sagt Jemand etwas kritisches über Coronamaßnahmen ist er dann gleich ein "Verschwörungstheoretiker"? Was für ein dummes Wort ist das überhaupt? Ach, jetzt weiß ich´s. Soetwas nennt man "Killerphrase". (Darfst du gerne googlen!) Oder Covidiot? Da frag ich mich immer nur welcher Idiot hat das erfunden? (Nein, sorry. Auf die Ebene will ich mich ja eh gar nicht begeben. Ich bin nur froh, dass das automatische Rechtschreibprogramm Covidiot noch als Fehler unterstreicht ;-) Oder in die andere Richtung. Jemand ist besorgt und will sich gut vor Corona schützen. Der wird dann gleich zu einem "Schlafschaf". Alle diese Identifikationen und Etikettierungen. Was soll das? Ein großer Teil meiner spirituellen Praxis beruht darauf sich von Identifikationen oder Sozialisationen (wie man will, ist für mich beides das gleiche) zu lösen. Alle diese Identifikationen sind nicht, was wir wirklich sind. Sie führen eher dazu, dass man den Kontakt zu seinem wahren Selbst verliert. Und sie trüben, die Wahrnehmung von anderen Menschen. Denn (noch einmal) jeder Mensch ist für sich ein Unikat, jeder Mensch ist anders. Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Jeder hat andere Träume, Ängste, Überzeugungen, Neigungen, Gewohnheiten, Fähigkeiten usw. Wenn dann jemand während eines Gespräches mit der Aussage: "Du bist einer von Denen!" daherkommt, ist das einfach unverständlich für mich. Da musste ich ernsthaft schon mal fragen: "Von wem redest du? Es sind doch nur wir zwei hier!" "Ja, einer von den Verschwörungstheoretikern!" Und zack der vorher gesprochene Inhalt ist einfach gekillt. Leute, das lenkt doch wirklich sehr vom eigentlichen Thema, vom Wesentlichen.


Ich denke, dass man vorsichtig mit den Worten ICH BIN umgehen muss. In meinen Augen ist das ein jugendliches verhalten. Denn natürlich sind Identifikationen, die ein Gefühl von Dazugehörigkeit erschaffen in der Jugendzeit sehr weit verbreitet. Da wird schnell der 16jährige, der gerne Punk hört, zum Punker usw. Jedoch ist das in einer Phase, in der man sich selbst noch nicht so gut kennt und sich noch ausprobiert durchaus legitim. Doch für Erwachsene nicht mehr, meiner Meinung nach. Und ich weiß, dass das natürlich nicht immer einfach ist. Jeder ist in einigen Identifikation gefangen. Wie zum Beispiel: ich bin eine Frau, ich bin eine Künstlerin, ich bin eine Mama usw. Es ist nicht immer leicht sich aus all diesen Identifikationen zu befreien. Das schaffe ich auch nicht immer. Jedoch versuche ich, es mir immer wieder bewusst zu machen. Identifikationen schaffen eben ein trügerisches Gefühl der Verbundenheit. Denn man fühlt sich nur mit den Menschen verbunden, die gleiche Identifikationen haben. Menschen mit anderen Identifikationen sind natürlich außen vor. Das führt eben so weit, dass man Menschen, die andere Identifikationen haben, keine Empathie mehr gegenüber bringen kann.


Die ganzen neuen Identifikationen, bezüglich der aktuellen Situation treiben es aber nochmal auf die Spitze. Meinem Gefühl nach spaltet das sehr! Aber, oh Mann, das ist schon wieder nur eine Verschwörungstheorie, oder?


Übrigens berufen sich beide Lager, die "Covidioten" und die "Schlafschafe" auf die Wissenschaft! Es gibt zahlreiche Wissenschaftler auf beiden Seiten, die jeweilige Sichtweisen untermauern.


Was sind heutzutage schon noch Fakten und Studien wert? Wenn du zur Untermauerung deiner Vorstellung eine Studie suchst, wirst du sie auch finden. Ich für mich weiß schon lange nicht mehr, was ich glauben soll. Ich kann jeden Leser aber mit Sicherheit sagen, dass es von Pro und Contra wissenschaftliche Studien gibt!


Wie Goethe schon meinte: Nun steh ich da ich kleiner Thor- und weiß, dass ich nichts wissen kann!


Oldie but goldie, der gute Goethe. So gilt es heute immer noch. Man kann sich schon sachliche und objektiv informieren. Meiner Meinung sollte man das auch unbedingt tun. Man sollte sich möglichst mit Informationen aus beiden Lagern beschäftigen. Denn ja es gibt sie noch die differenzierte Meinung. Sie ist zwar "in Zeiten , wie diesen" (kotz, würg) eine Rarität geworden, aber es gibt Berichte davon, dass sie beobachtet wurde. ;-)


Ich möchte damit einfach die fixen Überzeugungen, dass du Recht hast und die anderen im Unrecht sind relativieren. Man kann es nie 100 % sagen. (wahrscheinlich hassen mich jetzt beide Lager dafür, ohje) Wie oft hat sich die Wissenschaft schon geirrt? Ich möchte mich auch gerne meiner Meinung (natürlich habe ich eine) enthalten, da ich ja auch nicht 100 % weiß, ob sie richtig ist. Es ist eben meine subjektive Meinung, die ich mir aus zahlreichen Informationen zusammengebastelt habe. Und ja ich steh dazu. Ich denke, dass man das auch darf. Mir bleibt aber bewusst, dass es nur eine Meinung unter vielen ist. (Ok, manchmal hab ich auch schwache Momente, in denen ich die Nerven verlieren, wenn jemand vermeintlichen Blödsinn redet oder ich kurz vor der Menstruation stehe, dann Gott bewahre bin ich furchtbar besserwisserisch. Oder bereits nach mäßigen Alkoholkonsum bin ich auch furchtbar neun-mal-klug. Leider durfte ich meine Mitmenschen schon längere Zeit, aufgrund des Veranstaltungsverbot, davor "bewahren" ;-)


Zu guter Letzt noch eine Frage: Können wir Freunde bleiben auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben? Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist. Wir können ja über Kochrezepte reden, wenn wir in der Weltpolitik so unterschiedliche Meinungen haben? Wir können uns auch die unterschiedlichen Meinung anhören, könnte ja auch interessant sein, oder? Ob man jemanden mag oder nicht, muss ja auch nicht zwingend mit seiner Meinung zusammenhängen? Können wir uns mögen, auch wenn wir die Welt unterschiedlich sehen?


Einer mit einer anderen Meinung ist nicht automatisch dumm. Wenn du eine andere Meinung akzeptierst, bedeutet das auch nicht automatisch, dass du deiner Meinung nicht treu bleiben kannst. Konfuzius sagt: "Beides ist möglich!"


Ich denke die große Herausforderung unserer Zeit ist, dass wir Freunde bleiben. Die Gesellschaft muss nicht homogen sein. Dass wir einander akzeptieren!


Und bitte habt keine Angst. Es ist nicht die erste Herausforderung vor die unsere Gesellschaft steht. Wir werden auch das jetzt schaffen. Angst schwächt. Angst ist Gift für dein Immunsystem. Ein positiver Mindset und frische Luft stärken hingegen das Immunsystem. (Sag ich jetzt mal so ohne wissenschaftliche Quelle. Ich hoffe, dass das Immunsystem noch nicht als Verschwörungstheorie gilt. ;-)


Ich wollte mit diesem Blogartikel gerne nur diesen Punkt mit der Identifikation herauskristallisieren, denn diesen Aspekt der aktuellen Situation vermisse ich in der Gesellschaft. Es gibt wahrscheinlich im Moment wichtigere Aspekte und Themen, aber darüber wurde ja eh schon zur Genüge geschrieben.


Über meinen herausgegriffenen Aspekt schreibt und spricht Eckhart Tolle ausführlich und in einer viel schöneren Art von Tiefe, als ich es vermag. Gerne möchte ich auch an dieser Stelle an seine Arbeit verweisen.


"Du bist im Wesentlichen ein formloses Bewusstsein, Stille und Präsenz. Das Ego ist in diesem Kontext das falsche Selbst oder der gegenwärtige Zustand des Bewusstseins der Menschheit, der die Präsenz (universelle Intelligenz) nicht durchblicken lässt. In anderen Worten ist es ein Schirm aus mentaler Konditionierung (Gedanken und Emotionen), durch den du in der Welt blickst und handelst." Zitat Eckhart Tolle


optimistische Grüße aus dem sonnigen Kirchberg in Tirol

deine Stefanie





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